Das Internetcafé Power-Point: Ein Zugang zur Welt

Seit dem 1. April hat auch Bern sein Internetcafé für Arbeitslose und Armutsbetroffene. Ähnliche Einrichtungen gibt es bereits in Basel und Zürich.

Was das Angebot in Bern allerdings von diesen unterscheidet, ist der Umstand, dass es ein Betroffener fast im Alleingang und ohne finanzielle Eigenmittel in fünfjähriger Aufbauarbeit verwirklicht hat. Thomas Näf, Präsident von KABBA (Komitee der Arbeitslosen und Armutsbetroffenen Bern) entwickelte das Konzept und verhandelte mit Behörden, Hilfswerken, Organisationen und Firmen. Ab sofort stehen nun Leuten mit kargen Budgets zehn Bildschirm-Arbeitsplätze kostenlos zur Verfügung.

Den ersten symbolischen Schritt ins Internetcafé tat am Morgen des Eröffnungstages Philippe Perrenoud, Regierungsratspräsident des Kantons Bern und Gesundheits- und Fürsorgedirektor. Er zerschnitt unter Applaus das rote Band. Für ihn die erste Einweihung in seinem Präsidialjahr. «Eine einschneidende Massnahme, die nicht weh tut», kalauerte er. Er gratulierte Näf zur Initiative, ein Angebot für die Hilfe zur Selbsthilfe geschaffen zu haben: «Dies entspricht dem Grundsatz der präventiven Armutsbekämpfung. Diese tut alles, damit die Menschen ihre Existenz selbst sichern können.» Sorgen bereiteten Perrenoud 35’000 arme Haushalte im Kanton und das ebenfalls am 1. April 2011 in Kraft gesetzte revidierteArbeitslosenversicherungs-gesetz (AVIG). Damit werden schweizweit 16’000 und im Kanton Bern 1’500 Personen auf einen Schlag ausgesteuert. Viele würden bald in der Sozialhilfe landen, bemerkte Perrenoud.

Ähnliches befürchtet Edith Olibet, Sozialdirektorin der Stadt Bern: Allein in Bern würden mit dem neuen Gesetz 263 Menschen ausgesteuert, deshalb habe die Stadt die Revision bekämpft, sagte sie. Hoch erfreulich sei dagegen die Eröffnung des Internetcafés. «Sie haben als Direktbetroffene selber das Heft in die Hand genommen und ein Projekt mit Vorbildcharakter gestartet», lobte Olibet an die Adresse von KABBA. Armut nicht entstehen zu lassen sei eine der vornehmsten Aufgaben der Gesellschaft und entstandene Armut zu bekämpfen eine Verantwortung aller. Sie hoffe sehr, dass Power-Point seine Ziele erreiche, ein Treffpunkt für Betroffene zu sein, Integration und Bildung zu bieten und Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Der Name Power-Point sei Programm und überaus zutreffend, war ihre Quintessenz. Während die Gäste zum Apéro schritten, surfte der erste Besucher bereits im Internet.

Zum Abschluss des Tages gab’s noch konkrete Beratung zum Umgang mit dem revidierten Arbeitslosengesetz. Margret Kiener Nellen, Nationalrätin und Anwältin informierte über die Fallstricke im AVIG und unterstrich ihre Ausführungen mit Beispielen aus ihrer Anwaltskanzlei. Sie riet den Anwesenden, sich bei Erwerbslosigkeit sofort bei den regionalen Arbeitsvermittlungsstellen (RAV) anzumelden, denn jede Verzögerung könne eine einschneidende Leistungskürzung zur Folge haben. «Die betroffenen Menschen sollen genau rückmelden, wie mit ihnen umgesprungen wird», mahnte sie. Nur so sei es möglich, notwendige Korrekturen einzufordern. Mit der bevorstehenden IV-Revision würden zusätzlich noch ungefähr 17’000 Menschen in die Erwerbslosigkeit gedrängt. Mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit auf 3,4% rechne denn auch das Sekretariat für Wirtschaft SECO. Dies trotz kürzerer Bezugsdauer von Taggeldern und damit Beschönigung der Statistik (Ausgesteuerte und SozialhilfebezügerInnen werden von der Arbeitslosenstatistik nicht erfasst).

Das Internetcafé Power-Point wird hoffentlich zu einem unverzichtbaren Angebot für Arbeitslose und Arme in der Stadt Bern werden. Der Standort an der Monbijoustrasse 16, in unmittelbarer Bahnhofnähe, ist dabei ein Plus. Power-Point befindet sich in einem Raumteil des Buchantiquariats «Bücherbergwerk», welches vom Schweizerischen Arbeiterhilfswerk (SAH) betrieben wird. Diese Kombination mit dem «Bücherbergwerk» scheint ideal und könnte sich durchaus als Glücksfall erweisen.

Christof Berger

Christof Berger